Buenos Aires
Seit meinem letzten Post sind einige Tage vergangen und es
ist Zeit, mal wieder ein wenig zurückzublicken und zusammenzufassen. Die
vergangene Woche habe ich in Buenos Aires bei meiner Cousine Lisa verbracht und
wieder sehr viel erlebt. Vom Flug gibt es nicht viel zu berichten, außer dass
ich über Toronto und Santiago de Chile geflogen bin, was einen „kleinen Umweg“ von
einigen tausend Kilometern bedeutet, ich habe sozusagen in Z-Form zwei
Kontinente gekreuzt :). Am Flughafen entdeckte ich Lisa auch sofort. Der
Taxifahrer, der uns vom Flughafen zu Lisas Wohnung brachte, war ein echter
Spaßvogel: er sagte zu uns, wir seien aber sehr häßliche blonde Deutsche und
wir würden außerdem gar nicht mehr aufhören mit reden - kein Wunder, ich habe Lisa
letzten Januar das letzte Mal gesehen und er konnte natürlich auch kein Wort
verstehen :). Als wir fragten, was er damit meinte und dass er ganz schön
gemein sei, meinte er lachend, wir würden von Argentiniern bestimmt gesagt
bekommen, dass wir hübsch seien und das sei ja langweilig und so würden wir uns
doch an ihn erinnern - nett, oder? :D Anschnallen gibt`s übrigens in Buenos
Aires nicht, nach meinem Gurt im Taxi habe ich vergeblich gesucht, was bei dem
Fahrstil der Einheimischen und den Straßenverhältnissen nicht eben eine gute
Idee ist… Nachdem wir in Lisas Wohnung, die sie sich mit ihrer argentinischen
Mitbewohnerin und ihren zwei süßen Mietzekatzen teilt, angekommen waren,
passierte nicht mehr viel. Wir aßen Spaghetti und schwatzten stundenlang, ein
bißchen was von Lisas Wohngegend habe ich dann auch schon kennengelernt. Es gibt für alles einen Extra-Laden: einen für Hundeknochen und -spielzeug, einen für Regencapes und Gummistiefel, einen nur für Babykleidung, ... Und manche Straßen haben nur Geschäfte für Musikinstrumente oder nur für Elektronik. Da weiß man immer, wo man findet, was man sucht. Am späten Nachmittag hatte ich dann das erste Mal auf meiner Reise mit Jetlag zu kämpfen
und war ungefähr ab 19.00 Uhr nicht mehr ansprechbar. Ic h wurde nur kurz wach,
um Lisas Mitbewohnerin kennenzulernen und ihre Freunde aus Deutschland, die
derzeit in Rio leben und auch gerade zu Besuch waren. In der Nacht wachte ich
dann auf, weil ich das Gefühl hatte, wieder festgeschnallt zu sein wie im Flugzeug
- und das war ich auch - von Lisas Katzen, die quer über meiner Hüfte lagen und
mich wärmten ;). Von da an kugelten sie sich jede Nacht auf meinem Bett und mir
herum - viel Platz war da nicht mehr, aber es war zumindest warm und kuschelig
:D.
Der nächste Tag begann erst lange nach 10.00 Uhr, wir waren
irgendwie alle platt, so lange habe ich seit Monaten nicht geschlafen. Nach
einem Frühstück mit wunderbaren Blätterteig-Gebäckstückchen frisch vom Bäcker
machten Lisa und ich einen kleinen Trip ins Zentrum von Buenos Aires, u.a.
anderem zum Plaza de Mayo, wo grüne Papageien durch die Bäume sausen. Leider
war das Wetter an diesem Tag noch ziemlich mies und grau und so verbrachten wir
den Rest des Nachmittags in einem kleinen, gemütlichen Café, beobachteten die
Leute, die draußen vorbei kamen und schwatzten über alles, was uns so einfiel.
Abends besuchten wir alle zusammen einen argentinischen Kinofilm, an dem auch
Freunde von Lisa beteiligt gewesen waren - „Serré Milliones“. Da ich kein Wort
verstand, übersetzte Lisa fleißig und den Rest reimte ich mir zusammen -
eigentlich eine spannende Sache, wenn man die Sprache nicht versteht - man
achtet viel mehr auf Mimik und Gestik der Menschen. Das half mir auch in der
argentinischen Bar nach dem Kinobesuch - als einzige Nicht-Spanisch-Sprechende
unter vielen Argentiniern und einigen spanischsprechenden Deutschen muss man
sich eben mit Händen und Füßen und den wenigen Brocken Spanisch, die man kennt
bzw. versteht, behelfen und verständigen. Klappt ganz gut, wenn der Gegenüber
mitmacht… Und ich hatte ja auch immer wieder nette Übersetzer, da Lisas deutsche
Freunde aus Rio ebenfalls dabei waren. Insgesamt ein sehr lustiger Abend!
Da Lisa am nächsten Tag in die Uni musste und danach noch
einer Studentin Deutschunterricht gab, zog ich mit den beiden anderen allein
los. Mit einem guten Buch und einem wirklich leckeren Schokomilchshake sitzt es
sich sehr gemütlich in einem der vielen Cafés. Nach einem entspannten
Nachmittag fuhren wir ins Hafenviertel, da es hier eine
Gratis-Tanzveranstaltung geben sollte. Da es ja auf der Südhalbkugel gerade
noch Winter bzw. Frühling ist, wird es ziemlich früh dunkel und so war es doch
zeitweise ein wenig unheimlich in dieser Ecke der Stadt, in der man sich
eigentlich als Tourist nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr aufhalten soll.
Aber uns lockte die Gratis-Veranstaltung, die eine Kombination aus
argentinischem Tango, Ballett und Zeitgenössischem Tanz zu sein versprach und
tatsächlich entdeckten wir hinter einer der unheimlichen Häuserecken plötzlich
ein großes, sehr schickes Gebäude, das man hier gar nicht vermutet hätte. Hier
genossen wir eine wirklich tolle und beeindruckende Show, und das ganz ohne
Eintritt! Möchte ich in Jena auch mal haben…
Der nächste Tag begann dann endlich mal mit strahlendem
Sonnenschein und so ging`s bei bestem Wetter zu viert mit dem Zug nach Tigre,
an den Rio de la Plata. Auf der langen Fahrt in den Norden von Buenos Aires konnte
ich so auch mal andere Gesichter der Stadt entdecken. Buenos Aires ist
insgesamt sehr bunt und die Architektur wirkt zum Teil wie wahllos
zusammengewürfelt. Besonders sauber ist es nicht gerade, aber sehr interessant
und abwechslunsgreich. In Tigre war auch schon viel mehr vom nahenden Frühling
zu spüren als im Zentrum der Stadt, es blühte und grünte schon überall. Als
erstes besuchten wir den großen Markt, der einen Mix aus typisch argentinischen
Souvenirs, leckeren Snacks, Büchern, Wohnutensilien und tausenderlei anderen
Dingen bot und wo man sogar Hundewelpen, Kaninchen und zig verschiedene Vogelarten
kaufen konnte. Auch einen jungen Nymphensittich habe ich hier entdeckt - am
liebsten hätte ich ihn gleich rausgeschmuggelt :(… Speziell die vielen tollen
selbst gebauten Möbel und auch die großen Bambushölzer, die es hier für
absolute Spottpreise gab, hatten es mir angetan - leider wäre der Transport
nach Deutschland wiederum so teuer, dass es sich dann auch wieder nicht lohnt…Es
gab hier auch einen großen Freizeitpark, u.a. mit einer gruseligen Achterbahn,
bei der man nicht nur mehrere Loopings fährt, sondern auch noch (kopfüber) in
der Bahn hängt (statt zu sitzen) und zum Teil sogar rückwärts herumgeschleudert
wird!! Ich war dankbar, das ganze Spektakel von außen betrachten zu können,
statt drin zu sitzen. Die anderen drei wollten gern mitfahren (ich nicht!) -
zum Glück war ihnen der Eintritt zu teuer - da war ich sehr froh :). Auf dem
Weg zurück genossen wir noch ein tolles chinesisches Essen im Chinesischen
Viertel von Buenos Aires - jeder bestellte was Leckeres und dann wurde eifrig
gekostet und getauscht, so dass wir dann gut nach Hause „rollen“ konnten :D.
Am kommenden Sonntag konnten wir sogar bei Sonnenschein auf
der Terrasse frühstücken (bzw. Mate-Tee trinken). Heute wollten wir u.a. den
Radiosender besuchen, bei dem Lisa einmal die Woche arbeitet und vorher einen
weiteren Markt in einem großen Park unsicher machen. Letzterer erwies sich vor
allem als ein Treffpunkt für die verschiedensten Künstler und Musiker - in
jeder Ecke des Parks gab es was anderes zu bestaunen: Capoeira, Akrobatik,
Tanz, Contact Improvisation, Asiatische Kampfkunst, Slackline, Skateboarden, …
Im Park gabe es außerdem ein großes Amphi-Theater, wo am Abend wieder ein
Gratis-Veranstaltung stattfinden sollte - diesmal mit Flamenco und Livemusik.
Auffallend war außerdem (übrigens überall in Buenos Aires), dass unheimlich
viele Leute einen Hund haben und unheimlich viele der Hunde kleine Mäntelchen,
Jäckchen oder Pulloverchen tragen. Diese gab es an diversen Ständen auf dem
Markt (in den umöglichsten Farben und Formen), und am Parkeingang gab es
außerden gleich passend dazu von einer Organisation gerettete Hundewelpen und
kleine Kätzchen zu kaufen. Lustig war eine kleine Gruppe Punks, die einen
Dackel dabei hatten - dieser Dackel war sehr lang und hatte so kurze Beinchen,
dass sein Bauch fast auf der Erde schleifte :D. Die Punks und ihr „Wursthund“… Ein
lustige Kombo :D. Im Radiosender wurden wir sehr freundlich empfangen und wir
durften nicht nur alle Räume und Studios und die riesige Satelittenschüssel auf
der Dachterrasse besichtigen, sondern sogar bei einer Live-Aufzeichnung
zusehen. Danach gings ins Amphi-Theater und hier hab ich dann Lisas ehemaligen
Mitbewohner und Freund kennengelernt - einen Bühnentänzer und Choreographen
(Ballett, Zeitgenössischen und Modernen Tanz) aus Uruguay, der im kommenden
Sommer in Deutschland und Frankreich Kurse und Weiterbildungen besuchen will.
Dann wäre es natürlich toll, bei ihm auch mal Unterricht nehmen zu können - mal
sehen, vielleicht in Erfurt…;)? Nach der Show standen wir dann noch sehr lange
neben einer Gruppe Swingtänzer, die eine große bunte Matte im Park ausgerollt
hatten und darauf stundenlang die Füße und Beine „fliegen“ ließen. Wir tanzten
mit (nur kein Swing und eher schlecht als recht :)) und genossen vor allem die
witzige Swingmusik und ihre Texte („I`d like to brake your legs, because you
broke my heart…“, „If you can`t love me, you can`t love anybody”, :)…). Mein
letzter Abend im Buenos Aires endete dann damit, dass ich mich von Lisa
beschwatzen lies, doch unbedingt wenigstens einmal ein echtes argentinisches
Steak zu kosten. Und ich muss sagen - obwohl ich eigentlich kein großer
Fleischfan bin, hat es sich wirklich gelohnt - sehr lecker!! Dann hieß es schon
wieder Abschied nehmen von Lisas Freunden, von Buenos Aires und natürlich von Lisa
:(… Koffer packen, eine letzte Nacht das Bett mit den Katzen teilen und dann
ging`s am nächsten Morgen weiter nach Sydney… Die arme Lisa ist extra für mich
um halb 5 aufgestanden um mich noch zum Flughafen zu begleiten, damit ich nicht
auf den letzten paar Metern noch verloren gehe!! Lieben Dank dafür und für
Speis und Trank und für eine wirklich schöne Woche!! Bis hoffentlich ganz bald
- Chao, Besos!! ***
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