Sonntag, 14. September 2014

Buenos Aires (man muss ja nicht alles auf einmal lesen... ;))

Buenos Aires

Seit meinem letzten Post sind einige Tage vergangen und es ist Zeit, mal wieder ein wenig zurückzublicken und zusammenzufassen. Die vergangene Woche habe ich in Buenos Aires bei meiner Cousine Lisa verbracht und wieder sehr viel erlebt. Vom Flug gibt es nicht viel zu berichten, außer dass ich über Toronto und Santiago de Chile geflogen bin, was einen „kleinen Umweg“ von einigen tausend Kilometern bedeutet, ich habe sozusagen in Z-Form zwei Kontinente gekreuzt :). Am Flughafen entdeckte ich Lisa auch sofort. Der Taxifahrer, der uns vom Flughafen zu Lisas Wohnung brachte, war ein echter Spaßvogel: er sagte zu uns, wir seien aber sehr häßliche blonde Deutsche und wir würden außerdem gar nicht mehr aufhören mit reden - kein Wunder, ich habe Lisa letzten Januar das letzte Mal gesehen und er konnte natürlich auch kein Wort verstehen :). Als wir fragten, was er damit meinte und dass er ganz schön gemein sei, meinte er lachend, wir würden von Argentiniern bestimmt gesagt bekommen, dass wir hübsch seien und das sei ja langweilig und so würden wir uns doch an ihn erinnern - nett, oder? :D Anschnallen gibt`s übrigens in Buenos Aires nicht, nach meinem Gurt im Taxi habe ich vergeblich gesucht, was bei dem Fahrstil der Einheimischen und den Straßenverhältnissen nicht eben eine gute Idee ist… Nachdem wir in Lisas Wohnung, die sie sich mit ihrer argentinischen Mitbewohnerin und ihren zwei süßen Mietzekatzen teilt, angekommen waren, passierte nicht mehr viel. Wir aßen Spaghetti und schwatzten stundenlang, ein bißchen was von Lisas Wohngegend habe ich dann auch schon kennengelernt. Es gibt für alles einen Extra-Laden: einen für Hundeknochen und -spielzeug, einen für Regencapes und Gummistiefel, einen nur für Babykleidung, ... Und manche Straßen haben nur Geschäfte für Musikinstrumente oder nur für Elektronik. Da weiß man immer, wo man findet, was man sucht. Am späten Nachmittag hatte ich dann das erste Mal auf meiner Reise mit Jetlag zu kämpfen und war ungefähr ab 19.00 Uhr nicht mehr ansprechbar. Ic h wurde nur kurz wach, um Lisas Mitbewohnerin kennenzulernen und ihre Freunde aus Deutschland, die derzeit in Rio leben und auch gerade zu Besuch waren. In der Nacht wachte ich dann auf, weil ich das Gefühl hatte, wieder festgeschnallt zu sein wie im Flugzeug - und das war ich auch - von Lisas Katzen, die quer über meiner Hüfte lagen und mich wärmten ;). Von da an kugelten sie sich jede Nacht auf meinem Bett und mir herum - viel Platz war da nicht mehr, aber es war zumindest warm und kuschelig :D.
Der nächste Tag begann erst lange nach 10.00 Uhr, wir waren irgendwie alle platt, so lange habe ich seit Monaten nicht geschlafen. Nach einem Frühstück mit wunderbaren Blätterteig-Gebäckstückchen frisch vom Bäcker machten Lisa und ich einen kleinen Trip ins Zentrum von Buenos Aires, u.a. anderem zum Plaza de Mayo, wo grüne Papageien durch die Bäume sausen. Leider war das Wetter an diesem Tag noch ziemlich mies und grau und so verbrachten wir den Rest des Nachmittags in einem kleinen, gemütlichen Café, beobachteten die Leute, die draußen vorbei kamen und schwatzten über alles, was uns so einfiel. Abends besuchten wir alle zusammen einen argentinischen Kinofilm, an dem auch Freunde von Lisa beteiligt gewesen waren - „Serré Milliones“. Da ich kein Wort verstand, übersetzte Lisa fleißig und den Rest reimte ich mir zusammen - eigentlich eine spannende Sache, wenn man die Sprache nicht versteht - man achtet viel mehr auf Mimik und Gestik der Menschen. Das half mir auch in der argentinischen Bar nach dem Kinobesuch - als einzige Nicht-Spanisch-Sprechende unter vielen Argentiniern und einigen spanischsprechenden Deutschen muss man sich eben mit Händen und Füßen und den wenigen Brocken Spanisch, die man kennt bzw. versteht, behelfen und verständigen. Klappt ganz gut, wenn der Gegenüber mitmacht… Und ich hatte ja auch immer wieder nette Übersetzer, da Lisas deutsche Freunde aus Rio ebenfalls dabei waren. Insgesamt ein sehr lustiger Abend!
Da Lisa am nächsten Tag in die Uni musste und danach noch einer Studentin Deutschunterricht gab, zog ich mit den beiden anderen allein los. Mit einem guten Buch und einem wirklich leckeren Schokomilchshake sitzt es sich sehr gemütlich in einem der vielen Cafés. Nach einem entspannten Nachmittag fuhren wir ins Hafenviertel, da es hier eine Gratis-Tanzveranstaltung geben sollte. Da es ja auf der Südhalbkugel gerade noch Winter bzw. Frühling ist, wird es ziemlich früh dunkel und so war es doch zeitweise ein wenig unheimlich in dieser Ecke der Stadt, in der man sich eigentlich als Tourist nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr aufhalten soll. Aber uns lockte die Gratis-Veranstaltung, die eine Kombination aus argentinischem Tango, Ballett und Zeitgenössischem Tanz zu sein versprach und tatsächlich entdeckten wir hinter einer der unheimlichen Häuserecken plötzlich ein großes, sehr schickes Gebäude, das man hier gar nicht vermutet hätte. Hier genossen wir eine wirklich tolle und beeindruckende Show, und das ganz ohne Eintritt! Möchte ich in Jena auch mal haben…
Der nächste Tag begann dann endlich mal mit strahlendem Sonnenschein und so ging`s bei bestem Wetter zu viert mit dem Zug nach Tigre, an den Rio de la Plata. Auf der langen Fahrt in den Norden von Buenos Aires konnte ich so auch mal andere Gesichter der Stadt entdecken. Buenos Aires ist insgesamt sehr bunt und die Architektur wirkt zum Teil wie wahllos zusammengewürfelt. Besonders sauber ist es nicht gerade, aber sehr interessant und abwechslunsgreich. In Tigre war auch schon viel mehr vom nahenden Frühling zu spüren als im Zentrum der Stadt, es blühte und grünte schon überall. Als erstes besuchten wir den großen Markt, der einen Mix aus typisch argentinischen Souvenirs, leckeren Snacks, Büchern, Wohnutensilien und tausenderlei anderen Dingen bot und wo man sogar Hundewelpen, Kaninchen und zig verschiedene Vogelarten kaufen konnte. Auch einen jungen Nymphensittich habe ich hier entdeckt - am liebsten hätte ich ihn gleich rausgeschmuggelt :(… Speziell die vielen tollen selbst gebauten Möbel und auch die großen Bambushölzer, die es hier für absolute Spottpreise gab, hatten es mir angetan - leider wäre der Transport nach Deutschland wiederum so teuer, dass es sich dann auch wieder nicht lohnt…Es gab hier auch einen großen Freizeitpark, u.a. mit einer gruseligen Achterbahn, bei der man nicht nur mehrere Loopings fährt, sondern auch noch (kopfüber) in der Bahn hängt (statt zu sitzen) und zum Teil sogar rückwärts herumgeschleudert wird!! Ich war dankbar, das ganze Spektakel von außen betrachten zu können, statt drin zu sitzen. Die anderen drei wollten gern mitfahren (ich nicht!) - zum Glück war ihnen der Eintritt zu teuer - da war ich sehr froh :). Auf dem Weg zurück genossen wir noch ein tolles chinesisches Essen im Chinesischen Viertel von Buenos Aires - jeder bestellte was Leckeres und dann wurde eifrig gekostet und getauscht, so dass wir dann gut nach Hause „rollen“ konnten :D.
Am kommenden Sonntag konnten wir sogar bei Sonnenschein auf der Terrasse frühstücken (bzw. Mate-Tee trinken). Heute wollten wir u.a. den Radiosender besuchen, bei dem Lisa einmal die Woche arbeitet und vorher einen weiteren Markt in einem großen Park unsicher machen. Letzterer erwies sich vor allem als ein Treffpunkt für die verschiedensten Künstler und Musiker - in jeder Ecke des Parks gab es was anderes zu bestaunen: Capoeira, Akrobatik, Tanz, Contact Improvisation, Asiatische Kampfkunst, Slackline, Skateboarden, … Im Park gabe es außerdem ein großes Amphi-Theater, wo am Abend wieder ein Gratis-Veranstaltung stattfinden sollte - diesmal mit Flamenco und Livemusik. Auffallend war außerdem (übrigens überall in Buenos Aires), dass unheimlich viele Leute einen Hund haben und unheimlich viele der Hunde kleine Mäntelchen, Jäckchen oder Pulloverchen tragen. Diese gab es an diversen Ständen auf dem Markt (in den umöglichsten Farben und Formen), und am Parkeingang gab es außerden gleich passend dazu von einer Organisation gerettete Hundewelpen und kleine Kätzchen zu kaufen. Lustig war eine kleine Gruppe Punks, die einen Dackel dabei hatten - dieser Dackel war sehr lang und hatte so kurze Beinchen, dass sein Bauch fast auf der Erde schleifte :D. Die Punks und ihr „Wursthund“… Ein lustige Kombo :D. Im Radiosender wurden wir sehr freundlich empfangen und wir durften nicht nur alle Räume und Studios und die riesige Satelittenschüssel auf der Dachterrasse besichtigen, sondern sogar bei einer Live-Aufzeichnung zusehen. Danach gings ins Amphi-Theater und hier hab ich dann Lisas ehemaligen Mitbewohner und Freund kennengelernt - einen Bühnentänzer und Choreographen (Ballett, Zeitgenössischen und Modernen Tanz) aus Uruguay, der im kommenden Sommer in Deutschland und Frankreich Kurse und Weiterbildungen besuchen will. Dann wäre es natürlich toll, bei ihm auch mal Unterricht nehmen zu können - mal sehen, vielleicht in Erfurt…;)? Nach der Show standen wir dann noch sehr lange neben einer Gruppe Swingtänzer, die eine große bunte Matte im Park ausgerollt hatten und darauf stundenlang die Füße und Beine „fliegen“ ließen. Wir tanzten mit (nur kein Swing und eher schlecht als recht :)) und genossen vor allem die witzige Swingmusik und ihre Texte („I`d like to brake your legs, because you broke my heart…“, „If you can`t love me, you can`t love anybody”, :)…). Mein letzter Abend im Buenos Aires endete dann damit, dass ich mich von Lisa beschwatzen lies, doch unbedingt wenigstens einmal ein echtes argentinisches Steak zu kosten. Und ich muss sagen - obwohl ich eigentlich kein großer Fleischfan bin, hat es sich wirklich gelohnt - sehr lecker!! Dann hieß es schon wieder Abschied nehmen von Lisas Freunden, von Buenos Aires und natürlich von Lisa :(… Koffer packen, eine letzte Nacht das Bett mit den Katzen teilen und dann ging`s am nächsten Morgen weiter nach Sydney… Die arme Lisa ist extra für mich um halb 5 aufgestanden um mich noch zum Flughafen zu begleiten, damit ich nicht auf den letzten paar Metern noch verloren gehe!! Lieben Dank dafür und für Speis und Trank und für eine wirklich schöne Woche!! Bis hoffentlich ganz bald - Chao, Besos!! ***


































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